Veranstaltungstag: 06.07.2019, 14:00-18:00 Uhr
Veranstaltungsort: TSV Maccabi München
Veranstalter: VRJD JunOst, LV Bayern e.V.
Teilnehmerzahl: ca. 500-700 Personen

Zielgruppe: Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund, Mitglieder und Partner des VRJD JunOst, LV Bayern e.V, Gäste und Stadtbewohner Münchens

Einführende Bemerkungen: Einbindung des Peer-to-Peer-Moduls in die Projektstruktur Das Projekt „Respekt – Dialog – Teilhabe“ der Europäischen Janusz Korczak Akademie e.V. zielt darauf ab, die Grundregeln der Korczak’schen Pädagogik der Achtung den TeilnehmerInnen in Form eines mehrjährigen Bildungsprogramms zugänglich zu machen und so mittelfristig ein Netzwerk aus MultiplikatorInnen aufzubauen, das den praktischen Transfer der Projekterkenntnisse in das interkulturelle Gemeinschaftsleben der vor allem russischsprachigen Community in Deutschland fördert. Das Bildungsprogramm ist modulär aufgebaut. Dabei rückt in jedem einzelnen pädagogischen Modul eine bestimmte Zielgruppe in den Fokus, zu der die für das Modul zuständige Organisation einen besonderen Zugang pflegt.

Organisations- und Modulbeschreibung
Der Verband der russischsprachigen Jugend in Deutschland (VRJD) JunOst e.V., LV Bayern wurde 2009 als freiheitlich-demokratischer und überparteilicher Jugendverband gegründet. Seine Stärken sieht der VRJD in der Diversität ihrer Partner sowie der Eigenschaft die unterschiedlichsten Jugendlichen unabhängig von Herkunft und Religion zusammen zu bringen. Die Arbeit des bayerischen Landesverbandes umfasst ein breites Spektrum von Angeboten, die sich an junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund richten. Dabei werden Maßnahmen im Bereich der kulturellen, interkulturellen sowie internationalen Bildung organisiert und realisiert.
Das Kinderfest des VRJD Bayern zählt zu den bedeutendsten Kinderveranstaltungen in München, und das nicht nur für die russischsprachigen Bewohner der Stadt. Das Besondere am Kinderfest ist nämlich die Vernetzung, die aus einem Zusammenspiel unterschiedlicher Generationen, Kinder und Jugendlicher mit und ohne Migrationshintergrund sowie der Stadtbewohner Münchens hervorgeht. Das Projekt ist im Jahr 2020 für Kinder und Jugendliche anhand eines Ansatzes des Peer-Education konzipiert und ist partizipativ und partnerschaftlich angelegt. Im Mittelpunkt stehen die fünf Stützpfeiler der Pädagogik von Janusz Korczak – Respekt, Gerechtigkeit, Dialog, Partizipation und Selbstreflexion. Das erste organisierte Kinderfest fand bereits 2017 statt und wurde von bis zu 700 Gästen besucht. In diesem Jahr 2019 ist die Besucherzahl gestiegen und erreichte einen neuen Rekordwert.
Auch in diesem Jahr hatten alle Gruppen von JunOst e.V. an diesem Tag die Möglichkeit, ihre vielfältigen Angebote der Öffentlichkeit zu präsentieren, und zu zeigen, welche zielgruppenspezifischen und –übergreifenden Angebote sie bereithalten. Ziel dabei ist, die wichtige Bedeutung der Jugendarbeit für die Entwicklung junger Menschen mit Migrationshintergrund aufzuzeigen und die positiven Aspekte dieses Arbeitsfeldes, das vielfach negativ beleuchtet wird, darzustellen. Die Besucherinnen und Besucher konnten auf Gleichaltrige treffen, verschiedene Workshops besuchen, bei den Sportstationen mitmachen, gemeinsam singen, tanzen und spielen, kreative Ideen umsetzen und vieles mehr. Im Vordergrund standen auch diesjährig die erfahrenen Jugendlichen und Mitglieder der VRJD JunOst Jugendclubs, die in den einzelnen Stationen ihre Jugendverbandsarbeit und deren Angebote in Form von Mit-Mach-Aktionen präsentieren konnten.

Peer-Ansatz als Leitfaden in der Verbandsarbeit
Der VRJD JunOst, LV Bayern e.V. setzt sich für die Stärkung der gesellschaftlichen Partizipation russischsprachiger Kinder und Jugendlichen und das interkulturelle Miteinander in Bayern ein. Dabei fördert der JunOst Landesverband im Rahmen seiner Jugendverbandsarbeit die kulturelle Betätigung von Kindern und Jugendlichen als Mittel der Identitätsstiftung und bietet konkrete Hilfe bei der sozialen Integration an. Ein wichtiger Ansatz, der nicht nur dem Kinderfest, sondern der Grundzügen unseres Verbandes zugrunde liegt ist dabei das Peer-Involvement, welches die Zusammenarbeit von über 300 Kindern und Jugendlichen und ca. 100 Multiplikatoren, Ehrenamtlichen und angehenden Jugendleitern unseres Verbandes ermöglicht und sicherstellt.
Peer-Education gehört zu einem der wichtigsten Prinzipien der Jugendarbeit. Zum einen wird dabei die Selbstorganisation der Jugendclubmitglieder und Multiplikatoren gefördert. Dies wird dadurch bewerkstelligt, dass erfahrene Jugendliche selbst für die Gestaltung und das Programm ihrer interaktiven Station verantwortlich sind und ihre Erfahrung in Form von Berichten, gemeinsamen Mit-Mach-Aktivitäten spielerisch teilen. Zum anderen wird durch das gegenseitige Auseinandersetzen der Akteure ein intensiver Austausch gewährt. Gleichzeitig werden durch die einzelnen Stationen auch Eltern, Kooperationspartner und Bewohner der Stadt München angesprochen, wodurch ein generativer Dialog zustande kommt.

Peer-Education in der Praxis
Im Vordergrund unserer Verbandsarbeit sehen wir die Aufgabe, Jugendliche in ihrer Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität zu bestärken. Einen wichtigen Aspekt spielen dabei die Vor- und Nachbereitungstreffen. Um dies zu bewerkstelligen werden die Peer Tutoren unseres Verbandes möglichst früh und intensiv in die Organisation und Durchführung einer Maßnahme einbezogen. Zu einer gründlichen Vorbereitung mit Aufgabenteilung, Rollenverständnis und Besprechung von Zielen gehört auch eine Nachbereitung, in der die Organisatoren und freiwilligen Helfer die Möglichkeit bekommen, die Maßnahme zu evaluieren und somit ihren eigenen Einsatz zu reflektieren. Auch bei den Phasen, in denen nicht alles reibungslos verläuft, gehört es dazu, stets den Grund für Probleme ausfindig zu machen und gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.
Vor- und Nachbereitungstreffen helfen den TeilnehmerInnen und freiwilligen Helfern nicht nur, sich ihrer Position und Aufgaben bewusst zu werden, sondern dienen auch zur Vorbeugung von Konfliktsituationen. Für den reibungslosen Verlauf einer Maßnahme ist Vertrauen zwischen den Jugendlichen unentbehrlich. Dieses entwickeln die Jugendlichen erst in der Vorbereitungsphase infolge der Aufgabenverteilung und erkennen dabei, wie wichtig und großartig es ist, sich aufeinander verlassen zu können.
Bei allen Interaktionen wird ein besonderer Akzent auf die Achtung voreinander gelegt. Primär geht es um die Achtung des einzigartigen Individuums, seiner Kompetenzen und seiner Besonderheiten. Jedes Individuum hat nach Janusz Korczak ein Recht auf Respekt und darf nicht diskriminiert werden. In unserem Peer-to-Peer-Modul wird hiermit die wichtigste Grundlage der Korczak´schen Pädagogik von den TeilnehmerInnen unmittelbar gelebt.
Uns freut es, dass von Jahr zu Jahr die Zahl der ehrenamtlichen Freiwilligen zusammen mit der Zahl, der erreichten Personen steigt, das Potenzial der Selbstsozialisation in den Reihen unserer Jugendclubmitglieder immer weiter ausgebaut wird und die Grundideen unserer Verbandsarbeit an jüngere Jugendclubmitglieder und Außenstehende weitergegeben werden können.