WORUM GEHT ES:
Nachdem die TeilnehmerInnen im Block I die grundlegenden pädagogischen Konzepte Janusz Korczaks kennengelernt haben, geht es im Block II um die Realisierungsmöglichkeiten der Ideen Korczaks bei der Entwicklung von Strategien der Konfliktbearbeitung und –prävention.

 

ZIELE:
Die TeilnehmerInnen bekommen Einblicke in die interessen- und bedürfnisorientierten Verfahren zur Konfliktlösung und lernen dabei die Verbindung zur Korczak-Pädagogik herzustellen. Sie analysieren Gemeinsamkeiten in den Ansätzen der Mediation, der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, der Klärungshilfe nach Ch. Thomann und der Konfliktmoderation und beziehen sie in den Kontext des Korczak-Ansatzes ein. Die TeilnehmerInnen bekommen das praktische Handwerkzeug für die selbständige effizientere Organisation eines konfliktfreien Miteinanders in ihren jeweiligen Gemeinschaften. Sie entwickeln ihre eigenen Konfliktlösungsmechanismen und diskutieren darüber in der Gruppe.

INHALTE:
Die TeilnehmerInnen analysieren Texte von Janusz Korczak und konzentrieren sich dabei auf die Beschreibung, Vorbeugung und Lösung von Konfliktsituationen.
Im Mittelpunkt stehen die folgenden Prinzipien:
– das schöpferische „Ich weiß nicht!“
– die Verlangsamung
– die Verschriftung
– das Kameradschaftsgericht.

Eine der zentralen Ideen der Korczak-Pädagogik besteht im Aufbau einer Gemeinschaft von Kindern und Erwachsenen, deren Organisation Mechanismen der selbständigen Konfliktlösung und -prävention immanent sind. Ausschlaggebend ist dabei die Entwirrung von Sach- und Beziehungsebene in einem bereits entstandenen oder noch schwelenden Konflikt. Dies stellt auch die zentrale Aufgabe der interessen- und bedürfnisorientierten Konfliktlösungsverfahren Mediation sowie Klärungshilfe nach Ch. Thomann dar.

In der Phase der Erarbeitung von individuellen Interessen und Bedürfnissen in der Mediation spielt die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg eine zentrale Rolle. Marshall B. Rosenberg hat sein Konzept der gewaltfreien Kommunikation als Lebenshaltung entwickelt. Menschen lernen einen Umgang miteinander, der auf Einfühlsamkeit, Freiwilligkeit und Freude basiert – den Prinzipien, die auch bei der Korczak-Pädagogik im Mittelpunkt stehen.

Block II vermittelt den TeilnehmerInnen die gängigen Vorgehensweisen aus dem Methodenkoffer eines Mediators / einer Mediatorin:
– Sammlung der Themen und Konfliktfelder und ihre Strukturierung für die weitere Bearbeitung,
– Erkundung von Interessen, Sichtweisen und Hintergründen,
– Sammlung und gemeinsame Bewertung von Lösungsoptionen
– Auswahl der bestmöglichen Alternative als Lösung.

Bei der Klärungshilfe nach Ch. Thomann, einer eigenständigen Methode der Mediation, rücken die schwierigen Gefühle und Emotionen besonders intensiv in den Fokus. Unter dem Motto „Vergangenheit verstehen – Gegenwart klären – Zukunft gestalten!“ wird eine „Brücke über unruhiges Wasser“ gebaut.
Die Methode der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg hilft ihren AnwenderInnen, beobachtend statt bewertend zu kommunizieren, eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und auszudrücken, sowie positive Handlungssprache zu entwickeln.

 

METHODEN:
Die von Lehrkräften eingesetzten Methoden sollen den TeilnehmerInnen beispielhaft zeigen, wie sie ihre eigenen Konfliktpräventions- und lösungskonzepte gestalten können. Ganz im Sinne von Janusz Korczak dient die verwendete „Methodenkiste“ ausschließlich der Ideenschöpfung für Aktivitäten, die an die konkrete Konstellation in einzelnen Gemeinschaften angepasst werden mit dem Ziel, das Konfliktverhalten innerhalb der jeweiligen Organisation als selbstregulierenden Prozess zu gestalten.
Die folgenden Methoden kommen dabei zum Einsatz:

• Kollegiale Beratung als Intervision und Hilfe, Lösungen in selbstangeleiteten Gruppen zu finden, deren TeilnehmerInnen aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern und / oder Hierarchiestufen kommen;
• Besprechung des Films über Janusz Korczak mit dem Schwerpunkt Kameradschaftsgericht. In Gruppenarbeit wird diskutiert, wie ein Kameradschaftsgericht in modernen Gemeinschaften modifiziert funktionieren könnte.
• „Konstanzer Methode der Dilemma-Diskussion“ (nach Prof. Dr. Lind) als Hilfe zur Bewusstwerdung bzw. Selbstfindung. Im Vordergrund steht die Fähigkeit, Probleme und Konflikte auf der Grundlage moralischer Prinzipien durch Abwägen und Diskussion zu lösen.
• Rollenspiele, in denen reale Konfliktsituationen simuliert werden, als Hilfe zur Erweiterung der sozialen Handlungskompetenzen und vor allem des empathischen Verhaltens in stressauslösenden Episoden.
• Visualisierte Präsentationen im Plenum, mit vorangehenden Gruppendiskussionen